ich habe mir gerade einen Film angesehen, er heißt "Extrem laut und unglaublich nah", die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jonathan Safran Foer.
das Stücken Boden neben meinem Sessel ist nun voller Taschentücher und ich hab mich mittlerweile wieder eingekriegt. in diesem Film verliert ein Junge, Oskar, seinen Vater bei dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September. er hat eine unfassbar enge Beziehung zu ihm und leidet. er findet einen Schlüssel, weiß aber nicht wozu dieser gehört und begibt sich auf die Suche nach dem zugehörigen Schloss. während er, der, ich schätze mal 10jährige Junge, sich durch New York schlägt und viele Leute kennen lernt, lernt er viel und vor allem, den Tod seines Vaters zu verarbeiten.
nun. ich habe viel geweint. aber der Film war sehr schön und hat mich zum Nachdenken angeregt. denn das tu ich ja sonst eher wenig.
ich habe Freunde, deren Elternteile tot sind. nicht lange, vielleicht ein Jahr, zwei. ich hab sicher oft darüber nachgedacht, wie es wär, würde ich Papa oder Mum verlieren. oder S. oder T. oder sonst jemanden. es würde immer wehtun, aber wie lange? wenn ich jetzt darüber nachdenke, schnürt mir der Gedanke die Kehle förmlich zu, Tränen füllen meine Augen und ich kann gar nicht mehr klar darüber nachdenken. ich weiß, dass der Tod irgendwann kommt. doch kann man bereit für ihn sein? ich kann das nicht glauben. denn dann müsste die sterbende Person einem ja völlig egal sein, und weder meine Familie, noch mein bester Freund, und auch nicht meine Prinzessin werden mir irgendwann egal sein, denn ich liebe sie alle abgöttisch. auch wenn ich das viel zu oft gar nicht zeige, oder zu wenig. wenn ich über den Tod nachdenke, denke ich darüber nach, was ich vermissen würde - oder werde. was ich liebe an diesen Menschen, die mir nicht egal sein können. es sind Kleinigkeiten. dass Mama mir immer wieder mit Bleistift auf die Rückseite von irgendwelchen Zetteln Nachrichten schreibt und Blumen und Herzen drauf malt, dass Papa mit mir das Filmzitatespiel spielt oder Witze macht und selber total darüber lacht. dass mein bester Freund mit mir Müll redet, wir uns versprechen und uns darüber kaputtlachen, dass mein Bruder mich Zwerg nennt. und mir sagt, dass er mich lieb hat, mit seiner verschnupft klingenden Stimme. dass meine Prinzessin, wie auch jetzt wieder, in genau diesem Moment, an meiner Tür kratzt, weil sie rein will. ich könnte noch so vieles aufzählen, doch ich glaube, dann stürzt mein Laptop ab und ich wahrscheinlich auch.
ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, jemanden für immer zu verlieren. die Menschen, die ich bisher verloren habe, leben noch und ich weiß, dass ich noch mit ihnen reden kann, wenn ich das will. aber was ist, wenn ein Mensch stirbt? wenn man weiß, er kommt nie wieder, man hört seine Stimme nie wieder, kann nie wieder mit ihm lachen? ich will daran nicht denken, doch ich weiß, dass ich es auch irgendwann erleben muss. ich weiß, dass ich zu keinem Zeitpunkt damit umgehen kann, heute nicht, morgen nicht, und auch sonst nie. mein Kopf tut weh. und dabei ist gar nichts. alle leben noch, alle kann ich noch küssen, umarmen, ihnen sagen, wie sehr ich sie liebe. doch irgendwie kann man manche Dinge gar nicht oft genug tun. dieses Wissen lässt einem in dem Glauben, man hätte diese Dinge zu wenig getan, egal, wie oft man sie getan hat. und dieses Gefühl tut weh, es zieht sich hin, wie ein Stück Klebeband, das man versucht, zu zerreißen. was nicht geht, weil es zu zäh ist. so fühlt es sich wahrscheinlich an. und wahrscheinlich fühlt man sich leer und unvollendet. vermutlich sucht man dann verzweifelt nach einem Sinn, wünscht sich, diesen Menschen noch ein einziges Mal zu sehen, zu hören, um sich verabschieden zu können. obwohl man weiß, dass es dadurch nicht besser würde.
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mein Taschentuchberg wird höher. mein Kopf leerer, obwohl er voller Bilder ist. ich bin so traurig. doch ich kann wegdenken, weil ich es muss.
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