Schau auf die Stadt hinunter. Denke an nichts. Stille umgibt mich, ab und zu wird sie von etwas Vogelgezwitscher unterbrochen; aber eigentlich ist es denen mittlerweile zu kalt. Es ist schließlich Herbst. Ich liebe Herbst.
Gezwungenermaßen bin ich ans Bett gefesselt, denn ich bin krank. So ergibt sich viel Zeit zum Nachdenken - blöderweise. Als ob ich das nicht so schon viel zu oft täte. Mein Genick schmerzt. Mein Kopf fühlt sich höllisch an, es dröhnt regelrecht in ihm. Außerdem glüht er. Ich hasse krank sein. Ich hasse meine Immunschwäche.
Jedenfalls wurde mir ein gutes Buch gegeben; jemand, den ich mehr als schätze, hat gedacht "es würde mich ansprechen". Genau das hat es auch. Es hat mich regelrecht atemlos gemacht. Ich habe es innerhalb eines Tages verschlungen und direkt noch einmal gelesen. Dieses Buch heißt "Wir haben (keine) Angst" und ist von Nina Pauer. Es behandelt die jetzige Zwanziger- bis Dreißigergeneration. Und ihre Angst.
Auch ihre Überforderung mit sich selbst. Dass sie sich zu viel anmaßen und ihre to - do - Listen nicht schaffen. Dass sie sich keine Auszeit gönnen. Und dass viele einfach den Arsch nicht hoch kriegen. Kommt wahrscheinlich jedem bekannt vor.
Manchmal denke ich, dass 24 Stunden einfach viel zu wenig sind. Wenn man bedenkt, dass ich 8 davon in der Schule, 2 auf dem Weg von Zuhause dort hin und von dort nach Hause und 8 mit Schlaf verbringe(n sollte, im Idealfall)... So viel bleibt da eigentlich nicht übrig. Da kann ich unmöglich alles schaffen, was ich schaffen will! Denke ich.
Aber einst lehrte mich ein weiser Mann, seine Initialien sind R.R., dass das alles eine Frage der Zeiteinteilung ist. Wohl oder übel muss ich gestehen, dass dieser weise Mann Recht hat. Er sagte auch: "Einen Zeitplan zu erstellen, kostet dich eine Stunde in der Woche. Aber diese Stunde wird sich lohnen." Und das stimmte genauso.
Trotzdem kann ich mich einfach nicht aufraffen und verschwende meine doch recht wertvolle Zeit mit totalem Schnickschnack. Zum x-ten Mal überlege ich in solchen Momenten, ob ich mir die bittere Wahrheit in Form des Satzes "Menschen wissen es besser - machen es aber nicht besser" irgendwann mal tätowieren lassen sollte, damit er mich immer an meine größte Schwachstelle erinnert. Ich bin ein Besserwisser, ja. Ich bin nicht stolz darauf. Ich wäre lieber ein Bessermacher. Aber das wären wir wohl alle gerne.
Was uns daran hindert? -
Die Arbeit, Schule, Hausaufgaben, das Studium, der Haushalt, die Steuererklärung, eben sämtliche Verpflichtungen, die uns gerade ziemlich auf den Keks gehen, schieben wir vor. Das "ich war's nicht! Er / Sie war's!" - Prinzip kennen wir wohl alle und auch hier trifft es einfach zu hundert Prozent zu. Weil es ja Schwäche zeigen würde, zu sagen: "Ich steh mir selbst im Weg. Ich kriege meinen Arsch nicht hoch und will es mir selbst einfach nicht eingestehen."
Und Schwäche ist eigentlich nur in romantischen Scheißfilmen akzeptabel. Hin und wieder ist Schwäche auch ganz okay, aber man kann nicht dauerschwach sein, wenn es um das (eigene) Leben geht. Denn dann versperrt man sich selbst den Weg.
Ich weiß genau, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht und am Liebsten hätte ich ein Patentrezept. Doch ich habe keins. Nur den flachen, ewig alten Spruch "Fang einfach an".
Ich habe auch überlegt, wo ich später mal stehen will. Und jeder, der diesen Text von Anfang an gelesen hat, weiß, wo: auf meinem eigenen Balkon, zugehörig zu meiner eigenen Wohnung. Da kann ich dann überall meine Klamotten rumliegen lassen. Ich kann dann einfach meine Ruhe haben, wenn ich will. Ich kann meine ganzen angelesenen Bücher im Bad, in der Küche, einfach überall hinlegen und keiner beschwert sich. Ich muss nur dann aufräumen, wenn ich will. Ich kann stundenlang in der Badewanne liegen und Musik hören. So viele Duftkerzen meine Luft verpesten lassen, wie ich will. Ich muss mein Bett nicht machen und die Wäsche werde ich sowieso nicht auf so einen beknackten Wäscheständer hängen, die sind nämlich potthässlich und platzverschwendend.
Klingt traumhaft. Und da ich ja jetzt zwangsweise so viel Zeit habe, werde ich noch ewig lang darüber nachdenken und mir meine Wunschwohnung bunt ausmalen...
Und ich plane, wie ich vom Besserwisser zum Bessermacher werde, jawohl.Ich kann das nämlich.
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