es regnet, es ist grau, und außerhalb des Zuges ist es mit Sicherheit nasskalt. durch die Scheibe hindurch ziehen Bäume, Sträucher, Wiesen, Blumen in Wahnsinnsgeschwindigkeit an mir vorbei. mein Hals tut weh. ich fühle mich ausgebrannt. man könnte sagen, das macht das Wetter.
ich will nicht. irgendwann gewöhnt man sich so sehr daran, unproduktiv rumzuhängen, dass man vergisst, was für ein überwältigendes Gefühl es eigentlich ist, wenn man was geschafft hat. davon will man dann auch nichts hören.
irgendwann gewöhnt man sich an den größten Scheiß. pardon für diese Ausdrucksweise. ist aber so.
irgendwann gewöhnt man sich an alles und dann wird es langweilig, weil dann die Herausforderung weg ist; ganz egal, wie aufregend und spannend es mal war.
in dem Buch, das ich gerade lese, "Ich Und Die Anderen" von Matt Ruff, echt gut; ja also in diesem Buch wohnt eine der Hauptfiguren in einem Ort, der da heißt "Autumn Creek". klingt total schön, finde ich. jedenfalls heißt "autumn" auf Deutsch Herbst und naja..
es ist jetzt September. irgendwann haben wir gelernt, September mit Herbst zu assoziieren. Herbst verbinden wir wiederum mit bunten Blättern, Kastanien und der Tatsache, dass es früher dunkel wird. grob gesagt. sicherlich verbindet jeder noch haufenweise andere Dinge mit diesen Worten.
ich liebe Herbst. endlich vermummt man sich wieder in dicken Klamotten; endlich schmeißt man abends ebendiese zu Boden und lässt sich in die dampfende Badewanne fallen; endlich kuschelt man sich abends wieder mit einer Kanne Tee ins Bett, mummelt sich ordentlich ein und wartet darauf, dass man seine Füße wieder spürt, liest Bücher, schaut sich zum zehnten Mal Fotoalben oder Lieblingsfilme an.. endlich wieder Duftteelichter, die alles in so ein unfassbar schönes Licht tauchen. endlich wieder rausgehen, kalte Luft einatmen, mit nasskalten Füßen nach Hause kommen. endlich werden die Blätter und alles drum herum ein bisschen bunt, bevor es irgendwann grau wird. endlich wieder fluchen, dass es regnet, obwohl man es eigentlich schön findet. endlich wieder musikhörend und verträumt im Bus sitzen und den Regentropfen zuschauen, wie sie die Fensterscheiben entlang laufen. generell total verträumt sein..
endlich kommt dieses Gefühl wieder. besser gesagt dieser Berg Gefühle, denn es handelt sich ja hier nicht nur um ein Gefühl.
ich kann es einfach nicht abwarten, ich will, dass sofort Herbst ist. auf der Stelle, bitte. unverzüglich. ich will das total. auf was wartet der Herbst eigentlich noch?
kalte Nasen, kalte Hände, warme Lippen; gehören auch zum Herbst. aber nicht irgendwelche.. sondern meine Hände in deinen, wenn deine Nase meine anstupst und deine Lippen meine berühren, wenn es langsam dunkel wird draußen.. wenn das alles zu schön, zu real für mich ist und sich unwirklich anfühlt. wenn ich dich anschau und mich total gut fühle für einen Augenblick. wenn ich abends im Bett liege und dieser Moment noch ewig in meinem Kopf zu bleiben scheint..

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