I love you.
Das habe ich gerade bei Facebook gepostet, zusammen mit "With or without you" von U2. Schön - und?
Ich weiß ganz genau, dass manche das lesen und denken: wen meint die?
I love you ist ziemlich viel cooler als ich liebe dich, weil es hier Auslegungssache ist, an wie viele das geht.
Denn in diesem Fall geht es an mehrere Personen.
Kennst du "With or without you"? Du hast es sicher schon mal im Radio gehört oder so. Ich persönlich finde es einfach nur wunderschön. Außerdem muss ich da immer an P. denken, der mag das Lied nämlich auch. Ich denke dann dran, wie das war, wenn wir zusammen irgendwohin gefahren sind und im Auto immer Musik gehört haben. Immer schon war das so. Einmal haben wir "Der Infant" von den Ärzten gehört und P. hat gesagt, wie gut er das findet. Ich finde es auch gut. P. liebt Musik, er kann auch Gitarre spielen, ziemlich schön sogar. Manchmal hat er uns beiden Kopfhörer - riesen Teile - aufgesetzt und gespielt. Alles mögliche. Wenn ich gefragt habe, ob er etwas Bestimmtes spielen könne, konnte er es. P. ist halt auch der Beste. Jedenfalls ist das immer ziemlich komisch gewesen, weil ich dann nicht wusste, was ich tun sollte. Ich meine: es war schön, wunderschön! Aber man sitzt dann halt als Zuhörer da und naja. Heute bin ich da ein bisschen besser drin, aber nicht wirklich viel besser. T. macht das auch manchmal, sich hinsetzen und mir etwas vorspielen, aber das letzte Mal ist auch schon wieder eine Weile her. Ich mag das. Dasitzen und zuhören. Bewundern auch. Ich würde auch gern irgendwas Tolles können, bei dem Leute dasitzen und staunend gucken. Piano spielen wäre richtig bombastisch, ich liebe klassische Musik. Aber ich hasse Noten lesen. Ich glaube, die Noten und ich, wir hatten einfach keinen guten Start. Deswegen ist unser Verhältnis relativ schlecht. Ich verstehe sie nicht und habe auch keine Ahnung, wie diese komischen dicken Punkte mit und ohne Strichen dran - Notenhälse, ich weiß - mir sagen sollen, welche Taste ich drücken muss und wie lange. Wie auch immer. Jedenfalls können P. und T. gut Gitarre spielen und nur einen finde ich noch genialer, und das ist kein geringerer als Angus Young. An Silvester letztes Jahr war P. da und wir waren bei Oma. Da kam, auf zdf.kultur, glaube ich, ein Konzert von AC/DC, das ich schon mehrmals auf DVD gesehen hatte, mit P. und auch mit T. Ich könnte Angus stundenlang dabei zuschauen - und -hören -, wie er zuckend auf seiner Gitarre rumschrammelt. Schlecht formuliert irgendwie. Einfach anschauen. Das kann man nicht gut beschreiben, es ist einfach Wahnsinn.
"With or without you" erinnert mich an P. und es macht mich oft auch sehr traurig. Gerade eben zum Beispiel krabbelt mir die Nase und Tränen schießen mir in die Augen. Aber oft macht mich das Lied sehr glücklich. Es kommt ganz darauf an, woran ich denke; immer denke ich an Dinge, die mit P. zu tun haben, und leider gibt es da nun viele traurige Geschehnisse oder Tatsachen. Aber es gibt auch sehr schöne. Ich sage oft, dass es nicht mein Hauptziel ist, P. stolz zu machen, nicht mehr. Das stimmt auch, ich lebe nicht mehr dafür. Aber es ist eins der Ziele, das ich erreichen will. Ich will, dass P. irgendwann mal jemandem ein Bild von mir zeigt und sagt: "Das ist meine Tochter. Sie heißt Deborah, das ist ein hebräischer Name; Deborah wie Deborah Gelly in 'Es war einmal in Amerika'. Sie ist die Jüngere von meinen beiden Kindern. Und ich bin stolz auf sie."
Ich will das so sehr, dass ich hin und wieder weinen muss, wenn ich es schreibe oder es mir durch den Kopf geht.
Manchmal geht mir durch den Kopf, dass man wegen der Liebe ganz schön viel weint - und das ist irgendwie absurd. Schließlich wird uns als Kindern gesagt, dass Liebe etwas Wunderschönes ist und etwas furchtbar Wichtiges, und eigentlich bringen uns schöne Sachen nicht zum Weinen, außer bei Freudentränen.
Ich glaube, die Wichtigkeit der Liebe macht sie zu etwas, das uns zum Weinen bringt.
Und T.? T. ist nicht mit mir verwandt. Dennoch ist er eine der mir wichtigsten und liebsten Personen in meinem Leben, das schwöre ich. Er bedeutet mir die Welt. Was ihn so besonders macht? Nun. Er ist einfach der Beste. Er ist immer da, wenn ich ihn brauche, und er ist das, weil er mich liebt, nicht, weil er muss oder so; ich weiß das. Denn ich liebe ihn ja auch. Viele Menschen verstehen das nicht, dass wir beste Freunde sind, wie Bruder und Schwester. Sie fragen mich, warum wir kein Paar sind, wenn wir uns so blendend verstehen. Man kann nicht von den Menschen erwarten, dass sie alles verstehen.
Aber ich versuche, es zu erklären. Ich liebe T. und ich stehe auch dazu. Nie würde ich ihn oder meine Liebe zu ihm verleugnen, niemals. Ganz einfach deswegen, weil er das auch nicht tun würde. Ich glaube, ich vertraue ihm mehr als mir selbst. Jedenfalls ist es so, dass mir T. sehr am Herzen liegt... Aber ähnlich, wie es P. oder mein Bruder, S., tun. Oder mein kleiner Cousin, K.. Nur sehr wenige würden auf die Idee kommen, ihren Papa, Bruder oder Cousin leidenschaftlich küssen oder mit ihm schlafen zu wollen - mal solche Ausnahmen ausgenommen, die es ja immer gibt und die die Regel bestätigen. Genau so geht es mit mir T.. Ich würde meine Hand für ihn ins Feuer legen, aber würde er mich fragen, ob ich mit ihm zusammen sein will - was er niemals tun wird -, würde ich nein sagen. Weil ich ihn so nicht liebe. Aber ich liebe ihn und ich liebe es, Zeit mit ihm zu verbringen. Ich liebe es, meinen Kopf auf seinen Bauch zu legen und mit ihm in den Himmel zu gucken und Wolken als irgendwelche Wesen zu identifizieren. Ich liebe es, mit ihm jeden Tag auf den selben Berg, nein, Hügel!, zu laufen und zu diskutieren, ob der Weg dort hinauf letztes Mal schon so beschwerlich war. Ich liebe es, in seinem Auto zu sitzen, im Sommer, mit offenen Fenstern und lauter Musik und einer völlig zerstörten Frisur. Ich liebe es, wenn er lacht und seine Augen strahlen, ich liebe es, wenn er nachts noch in mein Zimmer kommt, sich auf meine Bettkante setzt und meinen Hund streichelt, ich liebe es, wenn er albern ist. Ich liebe es, dass er mich immer zum Lachen bringt, egal, wie schlecht es mir geht und wie suizidgefährdet und scheiße ich mir gerade vorkomme. Ich liebe es, dass er mich in den Arm nimmt, egal, wie scheiße ich auch aussehe. Ich liebe es, dass es ihn gibt und dass er mein bester Freund ist.
"Because days come and go - but my feelings for you are forever." Ist echt so.
Und ich?
Ich liebe mich nicht besonders. Aber trotzdem höre ich gerade ein Lied, das ich schön finde, es heißt "Supergirl" und ist von Reamonn, Du kennst es ganz sicher. Es ist einfach nur atemberaubend. Ich wäre gerne ein Supergirl. Aber ich glaube nicht daran.
Doch diese zwei, P. und T., und ein paar andere geben mir so oft das Gefühl, ich sei eins. Geben mir das Gefühl, ich sei etwas Besonderes, etwas Wertvolles. Ich weiß nicht genau, wie es anderen Menschen da geht, aber ich brauche das, ehrlich gesagt. Bestätigung. Denn ich selber kann sie mir nicht geben. Es heißt ja auch, "Eigenlob stinkt", nicht wahr? Mir wird oft geraten, mir ein Ego zuzulegen. Ich glaube nicht, dass ich keines habe. Aber irgendwas damit ist kaputt. Ich weiß es nicht genau. Ich weiß so vieles nicht genau. Das zeichnet doch kein Supergirl aus.
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