Dienstag, 25. Dezember 2012

Smilla, Fraktur, Weihnachten


ich mag Weihnachten nicht. aber dieses Jahr gefällt es mir besser als sonst. ich hab mir den 4. Zeh vom rechten Fuß gebrochen und laufe jetzt in meinen viel zu großen Circa - Sneakers rum, weil nur da der getapede Fuß reinpasst. mein erster Bruch. ich lese zurzeit Fräulein Smillas Gespür für Schnee, laufe mit Dutt herum und fühle mich gut. wirklich gut. ich bin äußerst entspannt, frage mich aber auch oft, warum überhaupt. ich glaube, das liegt am Wetter, es ist hier wirklich phantastisch. es ist unglaublich kalt, Schnee liegt aber keiner. die Sonne scheint ab und zu, aber meistens ist der Himmel bewölkt. so liebe ich es.
ich habe mir einen Berg Bücher bestellt und kann es nicht abwarten, mich durch diesen Bücherberg zu arbeiten. und ich habe aufgeräumt. das verschafft mir jedes Mal ein wohliges Gefühl, genauso wie die Ruhe, die mich in letzter Zeit so oft umgibt. ich finde es entspannend, hier zu sitzen, und nur das Geräusch der Heizung zu hören - sonst nichts. morgen allerdings kommt die Familie mitsamt Balgschaft von zwei bis zwölf Jahren, und das wird anstrengend. aber ich bleibe einfach gechillt, sage ich mir. jaja. ich schaffe das bestimmt. Smilla steht mir bei und mein Janosch - Kalender ja sowieso. außerdem ist Opa ja auch da - und ein Ruhepol.

Silvester mag ich auch nicht. aber dieses Jahr ist es auch anders, denn ich bin in meiner Geburtsstadt, Regensburg. ohne die üblichen Menschen. ich glaub, das tut mir mal ganz gut. vielleicht wird es besser als sonst, wenn nicht, finde ich das nicht schlimm - ich mag dieses "Fest" einfach nicht. ich erwarte nichts. was soll mich da enttäuschen? 
ich vermisse Regensburg und die Menschen, mit denen ich da zu tun hab. die Cafés und die Innenstadt. doch, ja, schon. aber wenn ich da bin, werde ich T. vermissen. höllisch werde ich ihn vermissen.


Freitag, 21. Dezember 2012

mea culpa

nun. ich hab es verbockt. es ist meine Schuld und das weiß ich ganz genau. das weiß auch jeder andere. dumm gelaufen, selbst eingebrockt; da muss ich jetzt durch. Fehler eingestehen und mich entschuldigen.
keine großen Worte will ich sagen. ich will nur ausdrücken, dass ich mir meines Fehlers bewusst bin und dass es mir auch leid tut. wenn es mir denn leid tut. ich werde nicht lügen, um andere glücklich zu machen, denn wenn sie raus bekommen, dass ich das nicht ernst meinte, dann sind sie doch sowieso wieder unglücklich und dann bin wieder ich Schuld. Lügen bringt nur Unglück. und Lügen machen auf Dauer eh nicht glücklich.
also allen Mut zusammennehmen.
hör zu, es tut mir leid. ich habe nicht nachgedacht, die Worte kamen einfach. ich war nicht klar im Kopf, doch ich will mich meiner Verantwortung nicht entziehen; ich weiß, dass es falsch war. bitte entschuldige mein Verhalten und lass uns darüber reden.
uff. geht doch.

aber ich bin nicht der einzige Mensch, der sich hin und wieder nicht ganz richtig verhält. sie ist da nicht besser. verletzend ist sie wieder und wieder, bewusst. sie tut das willkürlich. und danach klatscht sie eine lieblose Entschuldigung hin und alle müssen sie wieder liebhaben. müssen sie einfach. ohne ihre Fehler weiter zu sezieren und zu untersuchen. weil sie sich ihre Fehler nicht wirklich eingesteht. was soll das, fragen wir uns?

mich zu entschuldigen, oder beziehungsweise um Verzeihung zu bitten, ist auf keinen Fall meine Lieblingsbeschäftigung. doch es gehört dazu. man wächst daran - zumindest, wenn man es bewusst tut. eine nicht ernst gemeinte Entschuldigung will ich persönlich nicht hören. das kennt man: ein Kind macht etwas falsch und soll sich entschuldigen. die Eltern oder Erzieher oder sonst irgendwer sagen dem Kind, es soll sich entschuldigen - aber warum, das sagen sie dem Kind nicht.
wenn eine Entschuldigung einfach nur so ausgesprochen wird, damit wieder alles wie vorher ist, dann ist sie sinnlos. man sollte sie, finde ich, überdenken - warum entschuldige ich mich überhaupt? tut es mir denn wirklich leid oder tut es mir nicht leid und ich weiß einfach nur, dass es trotzdem nicht richtig war? ist sich die andere Person ihrer Schuld denn genauso bewusst wie ich es bin?
hm.
um Entschuldigung bitten ist nicht schwer. sogar die Prinzessin kann es, obwohl sie nicht spricht! aber sie kann es. sie weiß genau, wenn sie einen Fehler gemacht hat, und das ist gut. auch wenn sie nicht jeden Fehler bemerkt.
ich habe irgendwo, ich weiß nicht mehr, wo genau, gelesen:
entschuldigen Sie sich sofort oder nie.
ich überdenke das momentan noch. manchmal kommt eine ehrliche Entschuldigung, die von Herzen kommt und durch Einsicht entsteht, doch erst später - ist das ein Verbrechen? ich denke, es ist besser, sich später zu entschuldigen, wenn man sich des Fehlers bewusst geworden ist, als sich sofort zu entschuldigen, wenn man nicht erkennt, wofür!

also gebt euch eine Chance, Dinge besser zu machen... nachtragend sein fühlt sich doch eh nicht gut an. 

Himmelgrau

Perfekter Tag. So einer von meiner liebsten Sorte. Der Himmel ist graublauweiß und es ist kalt. An den Bäumen hängen schon lange keine Blätter mehr. Mit Balthazar und FURT in deiner Playlist hast du alles richtig gemacht. Klare Luft. Restschnee, hart. Sonst trockener Boden. Frost am Gras und den braunen Blättern am Boden. Und Stille.




Fast Neujahr. Weltuntergang heute eigentlich. Eigentlich. Fühl mich indie. Es geht mir gut.
Prinzessin schluckt die tote, gefrorene Maus runter und ich meine Zweifel. Ich hör sie nicht mehr, für einen Moment. Dieser Tag ist phantastisch und ich liebe ihn.
Ich erinnere mich an die Kur vor 4 Jahren im Oktober - oder war es November? Herbst jedenfalls, Mama und ich an der Ostsee, in Heringsdorf. Es war wunderschön. Kalt. Wenn man am Strand langgeht und Bernstein sucht zwischen rundgelutschten Glasscherben und kalten Sand. Kalte, salzige Meerluft einatmet und sich wunderbar fühlt. Wir haben Schokolade und Wein reingeschmuggelt, in das Kurhaus. Mandarinen auch, in so einer Holzkiste. Die hab ich noch. Es war so unglaublich.

Das Schöne an Wes Andersons Filmen und Axolotl Roadkill? Ihre Gefühle. Sie reden so wenig und sagen so viel. Und dass manches so nebensächlich, so unhinterfragt ist. Genau so sollte es im Leben sein
An einem nebligen Tag in einem Wald voller Birken mit Draw Your Swords von Angus & Julia Stone, wenn du einen schmalen Waldweg lang gehst, in deinen Chucks und deiner Winterjacke. Wenn die Stille perfekt ist oder du leiser, aber intensiver als sonst Musik hörst. Wenn du die Kälte in deinem Gesicht spürst und in deinem Kopf nichts ist, wenn du einfach nur genießt und weißt: es kann nicht besser sein. Wenn du lächeln musst, einfach so, weil du glücklich bist. Wenn du dich erfüllt fühlst und keinen Sinn suchst, keinen Sinn brauchst, um weiter zu machen.
Heute ist genau so ein Tag für mich. Ich kann das nicht oft sagen, aber heute schon: ich fühle mich wunderbar.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Tod - 9/12/12


ich habe mir gerade einen Film angesehen, er heißt "Extrem laut und unglaublich nah", die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jonathan Safran Foer. 
das Stücken Boden neben meinem Sessel ist nun voller Taschentücher und ich hab mich mittlerweile wieder eingekriegt. in diesem Film verliert ein Junge, Oskar, seinen Vater bei dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September. er hat eine unfassbar enge Beziehung zu ihm und leidet. er findet einen Schlüssel, weiß aber nicht wozu dieser gehört und begibt sich auf die Suche nach dem zugehörigen Schloss. während er, der, ich schätze mal 10jährige Junge, sich durch New York schlägt und viele Leute kennen lernt, lernt er viel und vor allem, den Tod seines Vaters zu verarbeiten. 
nun. ich habe viel geweint. aber der Film war sehr schön und hat mich zum Nachdenken angeregt. denn das tu ich ja sonst eher wenig. 
ich habe Freunde, deren Elternteile tot sind. nicht lange, vielleicht ein Jahr, zwei. ich hab sicher oft darüber nachgedacht, wie es wär, würde ich Papa oder Mum verlieren. oder S. oder T. oder sonst jemanden. es würde immer wehtun, aber wie lange? wenn ich jetzt darüber nachdenke, schnürt mir der Gedanke die Kehle förmlich zu, Tränen füllen meine Augen und ich kann gar nicht mehr klar darüber nachdenken. ich weiß, dass der Tod irgendwann kommt. doch kann man bereit für ihn sein? ich kann das nicht glauben. denn dann müsste die sterbende Person einem ja völlig egal sein, und weder meine Familie, noch mein bester Freund, und auch nicht meine Prinzessin werden mir irgendwann egal sein, denn ich liebe sie alle abgöttisch. auch wenn ich das viel zu oft gar nicht zeige, oder zu wenig. wenn ich über den Tod nachdenke, denke ich darüber nach, was ich vermissen würde - oder werde. was ich liebe an diesen Menschen, die mir nicht egal sein können. es sind Kleinigkeiten. dass Mama mir immer wieder mit Bleistift auf die Rückseite von irgendwelchen Zetteln Nachrichten schreibt und Blumen und Herzen drauf malt, dass Papa mit mir das Filmzitatespiel spielt oder Witze macht und selber total darüber lacht. dass mein bester Freund mit mir Müll redet, wir uns versprechen und uns darüber kaputtlachen, dass mein Bruder mich Zwerg nennt. und mir sagt, dass er mich lieb hat, mit seiner verschnupft klingenden Stimme. dass meine Prinzessin, wie auch jetzt wieder, in genau diesem Moment, an meiner Tür kratzt, weil sie rein will. ich könnte noch so vieles aufzählen, doch ich glaube, dann stürzt mein Laptop ab und ich wahrscheinlich auch. 
ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, jemanden für immer zu verlieren. die Menschen, die ich bisher verloren habe, leben noch und ich weiß, dass ich noch mit ihnen reden kann, wenn ich das will. aber was ist, wenn ein Mensch stirbt? wenn man weiß, er kommt nie wieder, man hört seine Stimme nie wieder, kann nie wieder mit ihm lachen? ich will daran nicht denken, doch ich weiß, dass ich es auch irgendwann erleben muss. ich weiß, dass ich zu keinem Zeitpunkt damit umgehen kann, heute nicht, morgen nicht, und auch sonst nie. mein Kopf tut weh. und dabei ist gar nichts. alle leben noch, alle kann ich noch küssen, umarmen, ihnen sagen, wie sehr ich sie liebe. doch irgendwie kann man manche Dinge gar nicht oft genug tun. dieses Wissen lässt einem in dem Glauben, man hätte diese Dinge zu wenig getan, egal, wie oft man sie getan hat. und dieses Gefühl tut weh, es zieht sich hin, wie ein Stück Klebeband, das man versucht, zu zerreißen. was nicht geht, weil es zu zäh ist. so fühlt es sich wahrscheinlich an. und wahrscheinlich fühlt man sich leer und unvollendet. vermutlich sucht man dann verzweifelt nach einem Sinn, wünscht sich, diesen Menschen noch ein einziges Mal zu sehen, zu hören, um sich verabschieden zu können. obwohl man weiß, dass es dadurch nicht besser würde. 
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mein Taschentuchberg wird höher. mein Kopf leerer, obwohl er voller Bilder ist. ich bin so traurig. doch ich kann wegdenken, weil ich es muss. 

Montag, 3. Dezember 2012

Winter

flüchten
vor dem Alltag
unter der Decke verkriechen
in deinen Armen verstecken
in einem Buch, Lied, Gedanken oder Film versinken
Hauptsache, weg

ich weiß nicht, wie lange das noch funktioniert. aber ich schätze mal, eher nicht so lang.
die angeblich nach Kirsche schmeckenden Anginosan - Halstabletten schmecken übel, wie Apfel- oder Orangensaft auf frisch geputzte Zähne. selbst nach einem Liter Tee und einer halben Packung Salbeibonbons ist der Geschmack noch da. die Prinzessin läuft auf und ab. schaut mich an. erwartungsvoll. setzt sich auf meine Füße. gähnt. ich bin neidisch. 
so viele Dinge wandern durch meinen Kopf und zerren an meinem Urteilsvermögen. jedes Ding will untersucht, durchdacht und bewertet werden. jedes Ding will ich untersuchen, durchdenken und bewerten.
die Prinzessin guckt mich mit hängenden Ohren an. in ihren Augen reflektiert Licht von irgendwoher. schwer zu beschreiben. sieht fantastisch aus. sie berührt mit ihrer Zunge ihre Nase und legt ihren Kopf ab. ich bin neidisch. 
sie ist schön, ohne es zu wollen. es interessiert sie keinen Meter und trotzdem ist sie wunderschön. sie ist das Schönste, was ich je gesehen habe. 
"FUCK WHAT THEY THINK" sagt mein Hintergrundbild. die Prinzessin schaut ungläubig. ich denke an die kleine Bibliothek der Gemeinde, in der ich vor sieben Jahren gelebt hab. an Das Kleine Gespenst und daran, wie es sich mit dem Uhu unterhalten hat. an Den Kleinen Wassermann und wie cool ich den immer fand. ich hole das Buch aus dem Bücherregal und lege es auf den Tisch. zu dem Bücherberg. zu Tom Sawyer und Fool on the Hill. zu dem aufgeschlagenen Wir haben keine Angst, in dem mit rosa Textmarker Stellen angestrichen sind. die Heizungsluft pustet mein A3 Blatt, dass an einer Leine hängt, an und es zuckt. es zuckt wie du es im Schlaf tust. obwohl ich weiß, dass du das tust, weil du träumst, beunruhigt es mich. ich weiß, es ist normal. aber es wirkt so psychotisch.

ihre Lippen sind wie Sandpapier, ihre Fingerspitzen wie Brandeisen. je leidenschaftlicher sie mich küsst, berührt, desto wunder wird mein Gesicht, mein Hals, mein ganzer Körper; und doch kann ich nicht von ihr lassen... warum?
ist das Masochismus? und wenn ja, warum bin ich so? so bin ich doch sonst nicht. oder doch?
bin ich sie? tue ich anderen weh? 



und die Prinzessin schläft. wenn ich bäuchlings im Bett liege und daran denke, wie es sich anfühlen würde, würdest du mir in die Lippe beißen und lachen. wie es wäre, wenn du jetzt neben mir lägst, in meiner bunt geblümten Ikea - Bettwäsche, zuckend und schlafend. ob du der Prinzessin das Wasser reichen könntest? oh nein, sicher nicht.
auf Zehenspitzen, mit nackten Beinen und Schultern, macht herumlaufen am meisten Spaß. und bloggen sowieso. und dich, wenn du schläfst, anpusten erst recht. 

ich will den ganzen Tag neben dir im Bett liegen und schlafen. oder lesen. oder dich anstupsen. oder kitzeln, vielleicht. weiß ich nicht so genau, behaupte ich jetzt mal. 

V wie Vendetta gefällt mir verdammt gut. ich glaube, ich besorg mir so eine Maske.
Eminem rappt mich in den Schlaf