Montag, 28. Dezember 2015

night walk

"weißt du, du bist einfach anders. du bist genug Mädchen, um süß zu sein, aber du bist verständnisvoll, weißt, was du willst. du bist irgendwie nicht wie die anderen Mädchen, du bist cool und locker, entspannt. das kennen die Jungs einfach nicht, und das fasziniert sie.", sagt er. wir ziehen an unseren Zigaretten und sehen den Vollmond, der nicht mehr ganz so voll ist.  

"sie lieben dich über alles. sie haben Angst um dich und wollen nur das Beste für dich. dass du nicht mehr die kleine Süße bist, ist vielleicht schwer für sie. überleg mal, du kennst K. auch, seitdem er geboren wurde, und machst dir auch ständig Sorgen um ihn, stellst fest, wie groß er geworden ist. bei ihnen ist das nicht anders. sie wollen nur, dass du glücklich und in Sicherheit bist." wir laufen weiter, schlendern eigentlich. es ist halb vier morgens und wir haben alle Zeit der Welt. 

"du solltest wirklich alleine wohnen. Zeit für dich haben. dein Leben nach deinen Wünschen gestalten. glücklich sein. du wirst nie allein sein, glaub mir. wenn du einfach nur so bist, wie du bist, wirst du viele Menschen kennen lernen, sicher nicht nur Freunde - aber auch nicht nur Feinde."

ich liebe dich. ich liebe dich für deine Worte, dafür, dass du mir Dinge sagst, die ich zwar weiß, aber gerne von jemand anderem hören will. ich liebe dich dafür, dass du mich in den Arm nimmst, mich küsst, und mich nervst. ich bin beeindruckt, dass wir uns so selten sehen und du mich so leicht durchschaust. dass du genau weißt, dass ich einfach nur in den Arm genommen werden will, von jemandem, dem ich vertrauen kann. dass du dich absolut nicht täuschen lässt von mir. 

oder doch? siehst du die Dinge vielleicht wie ich, weil du den selben falschen Blickwinkel hast? ist meine Ansicht irgendwie romantisiert, dieses Geschwisterbild von zwei Menschen, die sich blind verstehen, die Verständnis haben, die mit den selben Problemen hadern - nur jeder auf seine Weise? 
ganz egal was es ist, ich bin immer dankbar für dich, doch besonders in dieser Zeit. du gibst mir so unheimlich viel Kraft und ich habe keine Ahnung, ob ich es vertrage, wenn du wieder weg bist. aber das Leben - und auch du - hat mir gezeigt, dass es weitergehen muss. auch, wenn man keine Lust darauf hat. 
wäre ich damals wirklich von nur einer der Brücken gehüpft, auf deren Geländern ich stand - klar wäre die Enttäuschung, der Schmerz, dieses Unglücksgefühl weg gewesen. aber ich hätte auch vieles verpasst, viele Menschen nicht getroffen, nicht die erste große Liebe kennengelernt. ja, ich hätte auch den neuen Schmerz nicht kennengelernt. aber das ist es doch eigentlich, oder? der Schmerz ist es, der uns prägt, auch wenn wir das Gefühl haben, er würde uns zurückwerfen, statt voranbringen...

das schreibt sich alles so leicht. doch dein "Adieu" am Ende deiner letzten Nachricht, die mich in ein endloses Loch wirft, lässt mich wünschen, ich wäre nie geboren oder auf der Stelle tot. ich weiß nicht, ob ich glücklich sein kann mit dem Wissen, dass du für immer gegangen bist und dass ich das mit uns verbockt habe. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen