Mittwoch, 23. Dezember 2015

hi

da bin ich wieder. nicht mehr 15, aber immer noch genauso daneben.

habe gestern den Wahnsinn gewagt, jeden einzelnen Post dieses Blogs zu lesen... wow. am Liebsten hätte ich das Mädchen in den Arm genommen, das das alles geschrieben hat. dann hätten wir uns beide umarmt, angeweint... und das Mädchen hätte mich gefragt, ob es besser wird. und ich hätte gesagt: nein.

dieses Mädchen hat so oft von Freiheit geschrieben, von Reisen, von dem Willen, alles zu wissen, jedes Buch gelesen zu haben, vom Tanzen, von vielen Gesprächen und Bekanntschaften. nun. das Mädchen ist jetzt neunzehn, es tanzt immer noch nur dann, wenn es betrunken oder allein ist. es kennt nun noch einen Haufen Menschen mehr, hat tolle Gespräche geführt - und nicht so tolle. das Reisen, die Bücher, das Wissen und die Freiheit kamen etwas zu kurz. aber Prioritäten ändern sich auch, das hat das Mädchen gelernt. und vor allem ändern sich Menschen. 

das Mädchen hört immer noch die selben Bands, außer Casper natürlich. aber es hört auch Altmännermusik. so hat das Mädchen früher Dire Straits und Springsteen genannt. also, ich würde ihm dafür heute wirklich ans Ohr schnipsen.
das Mädchen hat zwar nicht aufgehört, Kinder im Allgemeinen zu verteufeln; dennoch arbeitet es in einer Kinderkrippe und würde für jedes seiner Kinder alles tun, damit es ihnen gut geht. und - unvorstellbar - dem Mädchen macht die Arbeit Spaß. ich denke, das Mädchen von 2011 würde mich auslachen und mir das niemals glauben.
das Mädchen würde mir auch nicht glauben, dass ihm später mal Menschen hinterher gucken werden. und erst recht nicht, dass sie das deswegen tun, weil das Mädchen ein Kleid trägt.
das Mädchen hätte nie gedacht, dass es einmal sein Abitur haben würde, dass es Komplimente für seine Art und sein Äußeres bekommen würde, oder dass es auch mal einen süßen Typen abblitzen lassen würde. unvorstellbar war es, dass es einmal merken würde, dass es gar nicht so übel ist und dass es nur vier praktische Prüfungen brauchen würde, um den Führerschein in die Hand gedrückt zu bekommen...
ich denke, würde ich dem Mädchen erzählen, was vor ihm liegt - es würde mich ansehen, schrill auflachen und sich erschießen. es würde denken, dass es für all das noch gar nicht bereit ist. aber mal ganz ehrlich: das bin ich doch auch nicht.

ich weiß immer noch nicht, ob ich überhaupt ohne T. leben kann. ohne sein Strahlen in den Augen, ohne ihm den Kopf zu kraulen, ohne ihn neben mir liegen zu haben. ich habe mich so daran gewöhnt, an das alles. morgens seinen Kaffee vorzubereiten, nochmal nach ihm zu sehen, bevor ich zur Arbeit fahre. Samstagmorgenselfies zu machen, wenn er noch schläft und so unheimlich süß ist. es war natürlich, dass er da war, dass er hinter mir stand. die Sicherheit, dieses Gefühl, einen Hafen gefunden zu haben, nach dem ich mich so lange gesehnt habe, war endlich da. und irgendwann ganz normal, teilweise schon eintönig und profan. so viele Dinge, an die ich mich einfach gewöhnt habe, die für mich irgendwie selbstverständlich geworden sind. und die dann irgendwann für uns beide zum Problem wurden.

wenn ich dem Mädchen begegnen würde, würde ich ihr Gesicht ganz fest in die Hände nehmen, ihr in die Augen sehen und ihr sagen, sie solle sich verdammt nochmal merken, dass nichts, aber auch gar nichts, selbstverständlich ist. und dass sie verdammt nochmal lernen sollte, dass sie ganz allein ist. und dann würde ich einfach hoffen, dass sie auf mich hört und sich ins Zeug legt; dass sie anfängt, sich für sich selbst zu interessieren, statt sich nur zu bemitleiden. dass sie Sport macht, Bücher liest, Leute trifft, sich endlich selbst liebt, sich bei der Arbeit Mühe gibt und sich immer daran erinnert, dass sie nur ein Leben hat. und dass es besser ist, den selben Fehler dreimal zu machen, als gar nichts zu machen. denn nur so funktioniert Fortschritt, Weiterentwicklung. und ich hoffe, dass das Mädchen dann langsam mal schnallt, dass es besser dran ist, wenn es gut mit sich auskommt. denn tatsächlich muss man sich selbst sein ganzes Leben lang ertragen.

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