Dienstag, 16. August 2016

kalt

ich kann nicht schlafen. Traurigkeit steht in meinen Augen und rollt meine heißen Wangen runter; warum das jetzt, weiß ich nicht. mein Bauch tut weh, ich glaub, ich hab Hunger. schon seit drei Tagen. ich ess zwar was, aber eigentlich habe ich keine Lust. deswegen ist es auch nicht viel und ich hab immer wieder Hunger. außer heute, als wir zum Mittagessen waren. zu viert, Mama, ich, er und sie - zwei Menschen, die wir, Mama und ich, lieben, die aber gerade in einer Trennung stecken. warum die überhaupt zusammen Mittag essen, erschließt sich mir nicht, egal. jedenfalls ging das eine Weile gut. bis er dann anfing, gehässig zu werden, so schrecklich böse und wirklich hasserfüllt. nachher hat sie dann gesagt, dass sie zwar erst im Oktober ausziehen kann, aber am liebsten sofort weg will. und auch wieder nicht. fünfzig Jahre Gemeinsamleben sind schon ein bisschen was und da fällt auseinandergehen schwer. aber wenn dann nur noch Eiseskälte ist, wenn Du nach Hause kommst, dann hältst Du das irgendwann nicht mehr aus. mir macht da keiner was vor. jedenfalls steckte ich da irgendwie mittendrin; ich kannte ihn nie so gemein und sie dabei so klein und irgendwie unterdrückt und traurig. es war grauenhaft. und jetzt geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. was ist passiert, dass er so geworden ist? wie hält sie das eigentlich aus? ich bin heute schon fast ausgeflippt und habe meine Meinung zwar mit bebender Stimme, aber noch unter Kontrolle kundgetan. grad so. aber immer könnte ich das nicht. 
so viel Kälte immer wieder. ich hasse das so sehr wie nur irgendwas. kalt war mir schon immer, vor allem oft Zuhause. auch, wenn das mit mir eigentlich nix zu tun hatte. im Abkriegen bin ich gut.

und jetzt lieg ich im Bett und kann einfach nicht schlafen. es geht nicht. ich hab so viel Angst und bin so unglaublich traurig wie lange nicht. aber genauso wie damals weiß ich auch heute nicht, warum. wo das herkommt. was ich da jetzt am besten mache. doch, das wüsste ich jetzt. 

Du müsstest einfach nur da sein. mich ein bisschen kuscheln und küssen und irgendeinen Film auf Englisch gucken. und dann einschlafen; denn wenn Du schläfst, kann ich es auch. 
aber das ist halt nicht die Lösung. ich muss da irgendwie alleine rauskommen, aus diesem Sumpf, in den ich immer mal wieder rein rutsche. abgeben will ich Dich trotzdem nicht, absolut gar nicht, das ist Dir hoffentlich klar. irgendwann schaffe ich es alleine. 

Mittwoch, 6. April 2016

schon immer

fühle mich grauenhaft, grauenhaft, grauenhaft. den ganzen Tag alleine hier zu sitzen, aus dem Fenster zu sehen, genauso wie damals, als auch alles schon so traurig war. hier. allein. ständig und immer nur krank. es ist schon deprimierend, zwischen lauter Menschen allein zu sein, doch Dich selbst ins Aus zu schießen und allein allein zu sein, ist die Krönung. immer und immer wieder. das Gesicht Deiner Hausärztin, wenn Du ihr schon ansiehst, dass sie denkt: "so oft, wie die hier ist, könnte die wenigstens privat versichert sein.". immer wieder zurück zu kommen, in die Schule, auf Arbeit, und diese Gesichter zu sehen, die Köpfe, die sich nach Dir umdrehen, stieren. wieder zurück sehen und tuscheln, war die schon wieder krank, ja, schon wieder und voll lange wieder, die hat bestimmt nur keinen Bock, das ist doch nicht normal. 
immer nur allein in diesem Haus, in diesem Körper, schon immer allein gewesen und immer allein geblieben. schon immer nur geweint und geträumt vom Sprung, schon immer keiner da gewesen, der's gewusst und den's interessiert. schon immer bewusst gewesen, dass es jemanden gibt, aber doch immer allein gewesen. 
Mama immer ihr Bestes gegeben, aber mich allein gelassen; Papa nur auf Arbeit, Bruder keine Ahnung, wo. allein. immer allein mit Büchern voll von Magersuchtmädchen und Scheidungskindern, mit einem Fernseher voller kaputter Familien bei Barbara Salesch. immer, mit acht Jahren. 
immer wieder zurück in diese hässlichen, alten Muster, die ich nicht mehr sehen kann, weil ich sie schon im Schlaf malen kann. und ich weiß nicht, wohin mit mir, weiß nicht, wozu ich gut sein soll. enttäusche nur, ständig krank, unzuverlässig, traurig. so traurig, dass ich ganz müde bin von diesem ewigen Traurigsein. doch ich kann nicht aus meiner Haut und ich habe Angst, dass ich das niemals kann. niemals nicht traurig sein, niemals jemals glücklich sein, allein. 
schon immer abhängig von jemandem, den es eigentlich nicht wirklich interessiert, der schon liebt, aber mehr aus Pflichtbewusstsein, als aus Interesse, so scheint es.



glaubst Du wirklich, es geht Dir woanders nicht so schlecht wie hier?
ich dachte immer, ich hab mich daran festgeklammert, dass es genau so ist. dass es dieser Ort ist, meine persönliche Hölle. doch ich weiß jetzt, dass ich es bin. und vor mir kann ich einfach mal nicht weglaufen. 

Donnerstag, 14. Januar 2016

just some overthinking

ich sitze tatsächlich hier und höre einen Chartsong. kann mich mit jeder Zeile identifizieren. heule jeden Moment. es ist grauenhaft.
ich will nur, dass du weißt...

warum? warum tu ich es mir an, mir Bilder von uns anzusehen? warum muss ich mich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit zusammenreißen, dir nicht zu schreiben? warum lösche ich nicht die vielen Songs von meinem iPhone, die uns verbinden - Springsteen, Dire Straits, Papa Roach, Bernhoft?

muss dann doch noch heulen. weil ich die beste Freundin der Welt habe. schreibe ihr, dass ich gleich heule und sie antwortet mit "ich ruf dich gleich an". warum ist die Frau nur so weit weg? fünfhundert Kilometer sind keine gute Distanz für zwei liebende Mädchen, und ich brauche sie. sie rät mir, mein Leben so zu leben, wie ich es will, zu genießen, glücklich zu sein. und in ihrer Gegenwart geht das auch gut, weil sie mir so viel Liebe gibt. weil sie mir ein Vorbild ist. weil sie mir den Kopf krault, mich streichelt, wenn wir rumliegen. weil ihre Umarmungen so warm sind und ihre Blicke so liebevoll. ihre ganze Aura ist voller Liebe und legt sich um mich wie ein dicker, warmer Wollpulli.

nur kann ich das nicht. ich kann mein Leben nicht in die Hand nehmen, weil ich nicht weiß, was gut für mich ist. weggegeben habe ich UNS. das Traumpaar. die heile Welt. die sichere Zukunft. das Bekannte. weggegeben habe ich dich, den Menschen, der mich am besten kennt. der so vorsichtig und rücksichtsvoll ist, liebevoll und zärtlich. der mich geliebt hat, aufrichtig. der mich überrascht hat mit Paketen und früher - Feierabend - machen. der einfach alles für mich gemacht hat. der mir Sicherheit und Halt gegeben hat.

der Gedanke, dass du eine andere Frau küsst, ist mir wohl egal. ist mir auch egal, mit wem du schläfst. aber es ist mir einfach nicht egal, dass du dich in eine andere verliebst, mich ersetzt, es geht nicht, es zerreißt mein Herz und verteilt die Stücke im Nirgendwo. und wenn ich recht drüber nachdenke, ist mir das auch nicht egal, wenn du eine andere küsst oder fickst oder mit ihr alles das machst, was du mit mir gemacht hast. wenn du eine andere so ansiehst, wie du mich angesehen hast, mit deinem Strahlen in den Augen und dieser grenzenlosen Liebe. wenn du online bist, aber nicht mit mir schreibst. ich könnte heulen.


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telefonierte mit der besten Frau der Welt. wie sie sagte, sie rief mich gleich an. lachte mit mir, tröstete mich, sagte mir ehrlich, dass es ewig dauern wird, über dich hinweg zu kommen. machte alles richtig. ich liebe sie. sie macht mich glücklich. kann es kaum erwarten, wieder mit ihr rauchend am Fenster zu stehen, shoppen zu gehen, neben ihr zu liegen. kann es schon nicht erwarten, wieder mit ihr am Telefon zu reden, denn das alles tut so gut. sie bringt Frohsinn in meinen Tag, anders kann ich es nicht nennen. es mag kein Glücklichsein sein, doch irgendwie hebt sie meine Stimmung und lässt mich lachen, wo ich doch gerade noch geheult habe. 
raus aus der Trauerplaylist. rein in die Playlist, bei der ich mich in der Öffentlichkeit zusammenreißen muss, nicht zu tanzen.
raus aus den Gedanken an dich. rein in die Gedanken an das viele Glück in meinem Moment, das ich nur wahrnehmen muss. 
jetzt muss ich nur noch WhatsApp schließen, um deine Nachricht nicht zu lesen, dass du mit einer anderen ausgehst. 

Samstag, 9. Januar 2016

2016

am Flurfenster stehen, Dresden - Neustadt. rauchen. bei einer Familie aus lauter Individuen, die alle sowohl ein gemeinsames, als auch ein eigenes Leben führen; glücklich sind. 
aus dem Fenster sehen, auf die Stadt, im Dunkeln. nicht genau wissen, wie ich mich fühlen soll. 

dieser Film. aufgeben, was Sicherheit gibt, aber unglücklich macht. nehmen, machen, tun, was glücklich macht. Barfuß auf Nacktschnecken. und ich. 

führt das zum Ziel? zu welchem Ziel? führt das trotzdem irgendwann zu Sicherheit, zu einer Sicherheit, die glücklich macht? oder ist Sicherheit nicht so wichtig, wenn man dafür glücklich ist? 
ein Leben. nur eins. Sicherheit oder Glück? und kann ich überhaupt ohne Sicherheit glücklich sein? wahrscheinlich muss ich lernen, mir selbst Sicherheit zu geben. aber ich weiß noch nicht, wie das geht. weil ich gerade einfach nur die Sicherheit vermisse und das Glück mich (noch) nicht genug vom Vermissen abhält.