ich kann nicht schlafen. Traurigkeit steht in meinen Augen und rollt meine heißen Wangen runter; warum das jetzt, weiß ich nicht. mein Bauch tut weh, ich glaub, ich hab Hunger. schon seit drei Tagen. ich ess zwar was, aber eigentlich habe ich keine Lust. deswegen ist es auch nicht viel und ich hab immer wieder Hunger. außer heute, als wir zum Mittagessen waren. zu viert, Mama, ich, er und sie - zwei Menschen, die wir, Mama und ich, lieben, die aber gerade in einer Trennung stecken. warum die überhaupt zusammen Mittag essen, erschließt sich mir nicht, egal. jedenfalls ging das eine Weile gut. bis er dann anfing, gehässig zu werden, so schrecklich böse und wirklich hasserfüllt. nachher hat sie dann gesagt, dass sie zwar erst im Oktober ausziehen kann, aber am liebsten sofort weg will. und auch wieder nicht. fünfzig Jahre Gemeinsamleben sind schon ein bisschen was und da fällt auseinandergehen schwer. aber wenn dann nur noch Eiseskälte ist, wenn Du nach Hause kommst, dann hältst Du das irgendwann nicht mehr aus. mir macht da keiner was vor. jedenfalls steckte ich da irgendwie mittendrin; ich kannte ihn nie so gemein und sie dabei so klein und irgendwie unterdrückt und traurig. es war grauenhaft. und jetzt geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. was ist passiert, dass er so geworden ist? wie hält sie das eigentlich aus? ich bin heute schon fast ausgeflippt und habe meine Meinung zwar mit bebender Stimme, aber noch unter Kontrolle kundgetan. grad so. aber immer könnte ich das nicht.
so viel Kälte immer wieder. ich hasse das so sehr wie nur irgendwas. kalt war mir schon immer, vor allem oft Zuhause. auch, wenn das mit mir eigentlich nix zu tun hatte. im Abkriegen bin ich gut.
und jetzt lieg ich im Bett und kann einfach nicht schlafen. es geht nicht. ich hab so viel Angst und bin so unglaublich traurig wie lange nicht. aber genauso wie damals weiß ich auch heute nicht, warum. wo das herkommt. was ich da jetzt am besten mache. doch, das wüsste ich jetzt.
Du müsstest einfach nur da sein. mich ein bisschen kuscheln und küssen und irgendeinen Film auf Englisch gucken. und dann einschlafen; denn wenn Du schläfst, kann ich es auch.
aber das ist halt nicht die Lösung. ich muss da irgendwie alleine rauskommen, aus diesem Sumpf, in den ich immer mal wieder rein rutsche. abgeben will ich Dich trotzdem nicht, absolut gar nicht, das ist Dir hoffentlich klar. irgendwann schaffe ich es alleine.
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