Ich möchte einen Sonntagmorgen in meiner Kindheit.
Morgens ins Elternbett krabbeln und kuscheln bis zum Frühstück. Frühstück ohne Streit. Ich will in den
Wald fahren mit meiner Familie, nur wir vier. In meiner roten Regenjacke mit den blauen und weißen Streifen in der Kapuze durch den Wald laufen, mit Mama Moos sammeln, Baumrinde anfassen, den Wald einatmen. Danach Mittagessen. Zu viert aufs Sofa und einen Film gucken. Ich möchte eine Kindheit, die
mehr beinhaltet als 8 Jahre hin und her. Ich möchte eine Kindheit mit Dingen, die ich nicht hatte und die ich nie haben werde.
Auch, wenn ich das große Haus mit dem tollen
Dachgeschoss gemocht hab. Die Scheidungskindergruppe mit dem bärtigen, älteren
Betreuer mit den Lachfalten und der jungen Frau frisch von der Hochschule. Mit dem Teppichboden und den 10 anderen Kindern. In
dem Haus in der schönsten Stadt der Welt. Wo für eine Stunde mal alles gut war.
Wo man wirklich von allen verstanden wurde. Wenn man erzählte
von der Diskussion, die sich vor ein paar Stunden wieder ergab, darüber, wer
mich zu der Gruppe fährt.
Erinnerungen an die Zeit, in der das Leben geregelt
war. Die Zeit vor dem großen Chaos.
Aus mir hätte was werden können, denke ich.
Aus dem verträumten, großen, dünnen, schüchternen
Mädchen mit der Brille und der Liebe für Katzen hätte etwas Fantastisches
werden können. Etwas worauf Eltern hätten stolz sein können.
Doch jetzt sieht alles anders aus. Alles nur so
halb, nie richtig. Stunden in der Bahn von einem Teilzuhause zum nächsten, die
einen zum Denken zwingen. Es geht nicht. Es geht nicht ohne Träumereien und Wünschen bis knapp unter den Himmel. Es geht nicht ohne melancholische Wochenenden. Ohne Wunschszenarien in meinem Kopf. Ohne wehmütige Blicke auf Spielplätze, Kleinfamilien und in Fotoalben. Ohne die Erinnerungen an die kleinen, schönen Momente. Ohne die Tränen in den Augen.
Das ist kein Vorwurf.