Samstag, 20. Juli 2013

"Zuhause"

"nicht jeder hat zwei Orte, an denen er Zuhause sein kann / ist."
man kann das Leben eines Scheidungskindes, dessen Eltern / Familie über 500 Kilometer und damit 5 - 7 Stunden Fahrt trennen und dessen kleines, junges Leben schon früh eigenmächtig von einer oder zwei Personen in eine bestimmte Richtung gedrängt wurde, natürlich auch schön reden. oder um es mit den Worten eines inzwischen sechzehnjährigen und recht schlechtgelaunten Scheidungskindes zu sagen:
fick dich.

überall sind sie, lauern sie, warten sie nur darauf, mir einen Eimer kalte Realität ins Gesicht zu schütten: die Ängste. vor allem die Zukunftsängste. 

scheiße! ich hab noch 5 Wochen, dann beginnt für mich das, was mein zukünftiges Leben auf jeden Fall stark mitbestimmt - mein Abitur. wenn ich es überhaupt schaffe. dauernd werde ich gefragt, was ich denn nach der Schule machen will. am meisten frage ich mich das selber.

ich will weg, weit weg. wohin? in eine Großstadt? in meine "Heimatstadt"? ins Ausland? an die Küste? hier in Sachsen oder doch in Bayern? oder ganz woanders?
ich will einen Beruf, der mich erfüllt, der mich nicht ankotzt. vielleicht mit Menschen arbeiten. oder doch lieber mit Tieren? wären Bücher nicht am Besten? Studium? Ausbildung? oder doch erstmal ein FSJ oder ein Auslandsjahr?
ich will das Alleinsein, das Leben ohne die Prinzessin und ohne mein personifiziertes Glück in Reich- und Ausheulweite, irgendwie überstehen. denn ich weiß genau: das wird am Härtesten. Klos schrubben? von mir aus. mit scheiß Leuten arbeiten? kenn ich schon. unzufrieden mit der Gesamtsituation sein über einen längeren Zeitraum? ich leb seit ner Weile so. aber ohne die beiden überleben? mich einfach mit der Begründung, dass mein Selbstmord meine Eltern todunglücklich machen würde, durchs Leben schleifen? vielleicht in einer Stadt voller glücklicher, erfolgreicher Menschen mit Plan um mich herum - um mich, diejenige ohne Plan, ohne greifbares Ziel, ohne Selbstvertrauen, ohne Zufriedenheit herum, leben? ohne den Menschen, der mich garantiert immer zum Lachen bringt und an den ich mich immer klammern kann, scheiß Zeiten durchstehen? fuck. wie soll ich das denn machen. ich kann nicht mal Karten mischen oder Kronkorken von Flaschen ohne nen Flaschenöffner abmachen. oder ohne Herzrasen Bus fahren. 

"wenn du dich jetzt in deine Wunschvorstellung beamen könntest - wo ständest du jetzt?
"ich wär mitm Abi und meinem Studium fertig - was für eins, weiß ich nicht genau, vielleicht Lehramt -, hätte schon nen Arbeitsplatz sicher, ich hätte noch Kontakt zu T., hätte jemanden wie ihn gefunden, jemanden zum lieben, reden, festhalten, streiten, leben, jemanden, der mich auch liebt, sowas halt, aber mit dem wäre ich zusammen. ich hätte eine schöne, bezahlbare Wohnung in Regensburg - allein das ist schon eine Utopie -, einen Hund, mein Smiley - Tattoo am rechten Zeigefinger und würde mit meinem Wahnsinnstypen unseren ersten Sohn planen. und ich wäre nicht unbedingt glücklich, aber zufrieden. jo."
"na, so unerreichbar klingt das doch gar nicht."
"hahaha. ja, genau."


und dann redet sie von "Zuhause". von "meinen zwei Zuhause - Orten". und ich möchte sie anschreien - dass meine Vorstellung von "Zuhause" zerrissen ist. dass in meinem Kopf ein Zuhause ein Ort ist, von dem man nicht um jeden Preis seit mehreren Jahren einfach nur weg will. dass Zuhause da ist, wo man möglichst schnell zu den Menschen gelangen kann, die man wirklich innig liebt. dass ein Zuhause ein Ort ist, an dem man sich wohlfühlt.


Casper sagt, "Zuhause ist da, wo man sich vermisst".
Edward Sharpe & The Magnetic Zeros sagen, "home is wherever I'm with you".
ich hab mal gesagt "Zuhause ist da, wo sich der iPod automatisch ins W - Lan hängt".

und jetzt?

manchmal weiß ich nicht, was mein Zuhause ist. hier hab ich mein Zimmer, voll mit meinem Zeugs und Krams, hier hab ich meine Prinzessin und T. hier will ich aber nicht bleiben, auf keinen Fall. dort (wo ich so lang gelebt hab) hab ich nur noch sehr, sehr wenige Bekannte und kein wirkliches, richtiges, eigenes Zimmer. aber genauso eine Tür, die immer für mich offen steht. und dort hab ich auch mehr Möglichkeiten. 
was jetzt? habe ich "zwei Zuhause - Orte", von denen keins mein "richtiges" Zuhause ist, die aber beide zur Not eins für den Übergang sein können? sollte ich mir einfach ein neues aufbauen und nicht mehr zurück schauen, alles vergessen, mich strahlend zu meinem utopischen Ziel hocharbeiten? 
ich hab so eine Scheißangst. ich weiß einfach gar nichts. ich hab keinen Schimmer, wie ich das meistern soll und wie ich überhaupt an dieses schummerige Ziel gelangen soll.



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