Montag, 29. Juli 2013

verträumter Kram

so wär Leben gut: ein sonniger Tag auf einem Turm mit spitzenmäßigem Ausblick und einem sanften Wind, in einem bequemen Kleid, barfuß, mit Led Zeppelin, so laut, dass es jeder hört - selbst die Bewohner jenen Hauses, das vom Turm aus gesehen am weitesten entfernt liegt. 
Leben wär auch am Strand gut, abends dann, wenn es nicht mehr so heiß ist, oder nachts. barfuß, versteht sich. mit Sand zwischen den Zehen. mit dem sanften Wind wieder. im Kleid, für Pirouetten. 
und selbst im Bett ist Leben gut; abends mit einem guten Film und Orangen (Orangen ess ich persönlich am Liebsten auf dem Rücken liegend) und mischmasch. oder sowas. im Snoopy - Schlafshirt. bei Gewitter, mit offenem Fenster. mit einem Wind, der schon nicht mehr so sanft ist. 
aber was bei diesem ganzen Leben am Wichtigsten ist: mit dieser einen Person. wahlweise auch mit diesem einen Hund. wahlweise auch mit ganz bestimmten Personen, die man Freunde nennt. oder Familie. 
zum Festhalten, wenn man an einem gut besuchten See im knietiefen Wasser in Zeitlupe superpeinlich hinfällt. zum Umarmen, wenn es gerade das ist, was man braucht. zum Arschtritt - verpassen - lassen. zum Händchenhalten, Lachen, (Aus)Heulen, Tanzen, zu allem, was allein keinen Spaß macht. 
denn das Wichtigste am Leben ist dieses Stückchen Zuhause - Gefühl, dieses Geborgenheits - Gefühl, das dir diese Menschen oder Wesen vermitteln. das dich in aufregenden Zeiten begleitet, dich aber auch zur Ruhe kommen lässt. dieses Fallenlassen - Gefühl. genau das. 

"bist du denn gut?" - "ich bin so gut, wie ich bin, so gut bin ich!"

aus: Alice lebt hier nicht mehr

nach einer abendlichen Wasserschlacht mit T., der bald auf die 30 zugeht und meiner nach einer hinterhältigen Wasser - Attacke unsererseits misstrauischen / eingeschüchterten Hündin, auf die "Alice lebt hier nicht mehr" und im - Bett - liegen - und - Led Zeppelin - hören folgen, schließe ich mich der Idee T.'s an und wir machen das einzig Vernünftige: wir gehen spazieren. gegen viertel zwölf, als die Luft angenehmer wird. 
jetzt ist es fast drei. nach anderthalb Stunden physischer Qualen in Form von Durst, dem Gefühl zu Vertrocknen, etc. pp. kommt Erlösung: auf T.'s Anraten hab ich dann doch noch mein Fenster aufgemacht und der Wind weht durch mein Zimmer. nach der Frage, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin, widme ich mich wieder Led Zeppelin und Miniatur - Bullterriern. und meiner für mich unvergleichlich gut duftenden Prinzessin. mein Magen knurrt so sehr, dass selbst sie unsicher zu gucken scheint. ich würde gern Peter Høegs Roman weiterlesen, aber irgendwie bin ich doch zu müde. ich belasse es bei dem mulmigen Gefühl, das aus meiner in wenigen Stunden erfolgenden Fahrt zu Papa und den damit zusammenhängenden "Dingen" resultiert und Led Zeppelin. mein grüner, dünner Haargummi, der sich an meinem rechten Handgelenk befindet, schneidet meiner rechten Hand offensichtlich die Blutzufuhr ab. so ein Mist aber auch.

achnaja, und er wieder. er ist der Beste. er wird mir fehlen, drei Wochen lang. seine flachen Witze, sein dummes Lachen - und sein schönes erst. sein Zucken und Murmeln, wenn er beim Krimigucken neben mir einschläft. und seine Umarmungen, oh mann. 

hab ich wirklich nur das Wichtigste eingepackt und trotzdem nichts vergessen? wirds reichen? hab ich die richtigen Klamotten mit - viel wichtiger: die richtigen Bücher? 
bäh. immer das Selbe mit mir. ich hab immernoch Angst im Dunkeln, panische. und Robert Plant singt mich in den Schlaf, während ich immer wieder aufschrecke, weil der Wind die geöffneten Fenster gegen die Wand schmeißt. 





Samstag, 20. Juli 2013

"Zuhause"

"nicht jeder hat zwei Orte, an denen er Zuhause sein kann / ist."
man kann das Leben eines Scheidungskindes, dessen Eltern / Familie über 500 Kilometer und damit 5 - 7 Stunden Fahrt trennen und dessen kleines, junges Leben schon früh eigenmächtig von einer oder zwei Personen in eine bestimmte Richtung gedrängt wurde, natürlich auch schön reden. oder um es mit den Worten eines inzwischen sechzehnjährigen und recht schlechtgelaunten Scheidungskindes zu sagen:
fick dich.

überall sind sie, lauern sie, warten sie nur darauf, mir einen Eimer kalte Realität ins Gesicht zu schütten: die Ängste. vor allem die Zukunftsängste. 

scheiße! ich hab noch 5 Wochen, dann beginnt für mich das, was mein zukünftiges Leben auf jeden Fall stark mitbestimmt - mein Abitur. wenn ich es überhaupt schaffe. dauernd werde ich gefragt, was ich denn nach der Schule machen will. am meisten frage ich mich das selber.

ich will weg, weit weg. wohin? in eine Großstadt? in meine "Heimatstadt"? ins Ausland? an die Küste? hier in Sachsen oder doch in Bayern? oder ganz woanders?
ich will einen Beruf, der mich erfüllt, der mich nicht ankotzt. vielleicht mit Menschen arbeiten. oder doch lieber mit Tieren? wären Bücher nicht am Besten? Studium? Ausbildung? oder doch erstmal ein FSJ oder ein Auslandsjahr?
ich will das Alleinsein, das Leben ohne die Prinzessin und ohne mein personifiziertes Glück in Reich- und Ausheulweite, irgendwie überstehen. denn ich weiß genau: das wird am Härtesten. Klos schrubben? von mir aus. mit scheiß Leuten arbeiten? kenn ich schon. unzufrieden mit der Gesamtsituation sein über einen längeren Zeitraum? ich leb seit ner Weile so. aber ohne die beiden überleben? mich einfach mit der Begründung, dass mein Selbstmord meine Eltern todunglücklich machen würde, durchs Leben schleifen? vielleicht in einer Stadt voller glücklicher, erfolgreicher Menschen mit Plan um mich herum - um mich, diejenige ohne Plan, ohne greifbares Ziel, ohne Selbstvertrauen, ohne Zufriedenheit herum, leben? ohne den Menschen, der mich garantiert immer zum Lachen bringt und an den ich mich immer klammern kann, scheiß Zeiten durchstehen? fuck. wie soll ich das denn machen. ich kann nicht mal Karten mischen oder Kronkorken von Flaschen ohne nen Flaschenöffner abmachen. oder ohne Herzrasen Bus fahren. 

"wenn du dich jetzt in deine Wunschvorstellung beamen könntest - wo ständest du jetzt?
"ich wär mitm Abi und meinem Studium fertig - was für eins, weiß ich nicht genau, vielleicht Lehramt -, hätte schon nen Arbeitsplatz sicher, ich hätte noch Kontakt zu T., hätte jemanden wie ihn gefunden, jemanden zum lieben, reden, festhalten, streiten, leben, jemanden, der mich auch liebt, sowas halt, aber mit dem wäre ich zusammen. ich hätte eine schöne, bezahlbare Wohnung in Regensburg - allein das ist schon eine Utopie -, einen Hund, mein Smiley - Tattoo am rechten Zeigefinger und würde mit meinem Wahnsinnstypen unseren ersten Sohn planen. und ich wäre nicht unbedingt glücklich, aber zufrieden. jo."
"na, so unerreichbar klingt das doch gar nicht."
"hahaha. ja, genau."


und dann redet sie von "Zuhause". von "meinen zwei Zuhause - Orten". und ich möchte sie anschreien - dass meine Vorstellung von "Zuhause" zerrissen ist. dass in meinem Kopf ein Zuhause ein Ort ist, von dem man nicht um jeden Preis seit mehreren Jahren einfach nur weg will. dass Zuhause da ist, wo man möglichst schnell zu den Menschen gelangen kann, die man wirklich innig liebt. dass ein Zuhause ein Ort ist, an dem man sich wohlfühlt.


Casper sagt, "Zuhause ist da, wo man sich vermisst".
Edward Sharpe & The Magnetic Zeros sagen, "home is wherever I'm with you".
ich hab mal gesagt "Zuhause ist da, wo sich der iPod automatisch ins W - Lan hängt".

und jetzt?

manchmal weiß ich nicht, was mein Zuhause ist. hier hab ich mein Zimmer, voll mit meinem Zeugs und Krams, hier hab ich meine Prinzessin und T. hier will ich aber nicht bleiben, auf keinen Fall. dort (wo ich so lang gelebt hab) hab ich nur noch sehr, sehr wenige Bekannte und kein wirkliches, richtiges, eigenes Zimmer. aber genauso eine Tür, die immer für mich offen steht. und dort hab ich auch mehr Möglichkeiten. 
was jetzt? habe ich "zwei Zuhause - Orte", von denen keins mein "richtiges" Zuhause ist, die aber beide zur Not eins für den Übergang sein können? sollte ich mir einfach ein neues aufbauen und nicht mehr zurück schauen, alles vergessen, mich strahlend zu meinem utopischen Ziel hocharbeiten? 
ich hab so eine Scheißangst. ich weiß einfach gar nichts. ich hab keinen Schimmer, wie ich das meistern soll und wie ich überhaupt an dieses schummerige Ziel gelangen soll.



Donnerstag, 4. Juli 2013

#respect #tolerance #stupidity

ich bin enttäuscht. und wütend auch. aufgebracht. entsetzt und angewidert. ich kann es nicht formulieren. 

seit sechs Jahren lebe ich "im Osten". in Sachsen, um genau zu sein. meine Familie kommt von hier, ich aber wurde in Bayern - "im Westen" - geboren und habe da elf Jahre lang gelebt. 
liebe "Ossis", ich möchte euch etwas sagen. ihr seid peinlich. 
ich selbst ordne mich nicht ein. ich bin weder "Wessi", noch "Ossi". ich bin Deutsche. ich bin Mensch. 
doch jeden gottverdammten Tag werde ich mit dieser vergangenheitsanhänglichen Sache konfrontiert. ob es meine Oma ist, die abwertend von "Wessis" spricht, ob es jemand aus meinem Umfeld ist, der etwas von der Facebook - Seite "Danke Mama und Papa dass ich kein Wessi bin" (da fehlt übrigens ein Komma, ihr Penner) liked oder teilt. ich könnte kotzen. 

ich will nicht sagen, dass sich "Wessis" sehr viel anders verhalten. ich will hier für niemanden Partei ergreifen. ich finde beide Parteien lächerlich. ich wende mich nur vorrangig an erstere, weil ich unter deren stolzer Idiotie leide. es sind nicht die Menschen in Bayern, die mich abschätzend angucken. glaubs oder nicht.

es ist nun mehr als zwanzig Jahre her, dass aus der BRD und der DDR die Bundesrepublik Deutschland als ein Ganzes hervorging. zur Erinnerung: davor war das schon einmal so. schon einmal war man als Deutscher einfach nur Deutscher. 
aber nein. man muss ja jetzt, im Jahre 2013, immer noch danach gehen, wie die "Siegermächte des 2. Weltkrieges" dieses Land aufgeteilt haben, in Westen und Osten. völlig egal, ob das lange vorbei und überholt ist. in den Köpfen der meisten Ostdeutschen und sicher auch in den Köpfen einiger Westdeutscher ist das noch nicht angekommen. teilweise in Köpfen, die nicht mal in der Zeit vor der Wende gelebt haben - ist das nicht ein klitzekleines bisschen sinnlos? nein?


ich will in so einem Umfeld nicht leben müssen. ich will mir so etwas Dummes nicht antun müssen. das Selbe gilt für Homophobie und Rassismus. ein Mensch ist ein Mensch, völlig egal, wen er liebt, was er gerne anzieht, ob er dick oder dünn ist, ob er bleiche oder recht dunkle Haut hat. nichts davon sagt etwas über seinen Charakter aus, nichts davon gibt anderen das Recht, über ihn zu urteilen. nichts. aber wahrscheinlich ist Menschen der Charakter eines anderen und vor allem der Respekt im Umgang mit anderen nichts mehr wert - zumindest den Menschen, die diesen Respekt nicht aufbringen können. sei es aus Dummheit oder ... nein; dafür gibt es gar keine anderen Gründe als Dummheit. Respektlosigkeit und Intoleranz sind nicht anderes als dumm. und dabei spielt es für mich keine Rolle, ob es ein Gymnasialschüler mit Einserschnitt, eine schwangere Sechzehnjährige ohne Schulabschluss oder ein dreiundfünzigjähriger Superprofessor ist, der sich nach allen Regeln der Kunst respektlos oder intolerant verhält. 

und genau das stresst mich, nervt mich; ich will diesen Menschen in meinem Umfeld, die es einfach nicht auf die Reihe kriegen, sich respektvoll zu verhalten, einfach den Mund zukleben. ich wünsche ihnen, dass ihnen mal jemand begegnet, der sie so runterputzt und so scheiße behandelt, wie sie andere behandeln. 
und es ärgert mich nicht nur, es macht mich auch traurig. es macht mich traurig, zu sehen, dass "wir" uns in die falsche Richtung entwickeln, in eine Richtung, in der kein Platz ist für Menschen, die "anders" sind, für Menschen, die sich nicht exakt genauso verhalten wie die meisten anderen. es macht mich traurig, wenn ich sehe, dass ein toller Mensch mit einem fantastischen Charakter verletzt wird - verletzt wird von einem Menschen, dessen Charakter einfach nur für die Tonne ist. sowas beschäftigt mich und sowas lässt mich daran denken, dass ich so hier nicht leben will.