Donnerstag, 4. April 2013

dekad

kalte Füße. ich bin müde. mein Ikea - Wecker bringt mich nicht aus der Ruhe. ich weiß nur nicht, was ich anziehen soll, hab zwischen gemütlichen Wollpullis und Sweatjacken den Überblick verloren. hab auch den Überblick über die mehr als zehn von mir angelesenen Bücher verloren. aber ich bekam ein Feuerzeug geschenkt. ein grünes. und in meinem Zimmer ist es so ruhig, auch wenn Glen Hansard und Marketa Irglova "If you want me" singen. es ist so still und so tot. das kalte Licht scheint durch die Fenster in mein Zimmer, meine Haare sind weich und duften gut. ich muss mein altes Tagebuch vollkriegen, damit ich endlich in das neue schreiben kann. so leicht wird man hier ersetzt. die übliche Unordnung breitet sich in meinem Zimmer aus und die Nutzlosigkeit in mir. ich strecke mich und mein Brustkorb knackt. die Prinzessin vergräbt ihren Kopf zwischen ihren Vorderpfoten. richtig so. sie duftet so unglaublich gut, ich liebe sie. ihre Augen sind so schön und ihre Ohren so flauschig. meine Prinzessin. ich starre auf meine nackte Schulter und denke an den Vorleser. auch ein Buch, das ich grade lese - für die Schule. aber es ist wohl das schönste aller Bücher, die wir für diese Einrichtung lesen müssen. ich werfe die Haare nach hinten und Gänsehaut macht sich auf mir breit. die Prinzessin guckt skeptisch. mir ist kalt. 
ab heute trage ich für den Rest meines Lebens grau und blau. und schwarz und weiß.

ich hab Schluckauf und auf der Stelle fallen mir mehr als 5 Personen ein, die gerade an mich denken und jemand anderen küssen könnten. die Prinzessin guckt noch skeptischer, schaut mich mit schiefem Blick fragend an. ich sage nicht mehr dazu als: hicks.
was ist eigentlich Liebe? hicks auf jeden Fall nicht. oder doch? ist es Liebe, oft an jemand anderen zu denken? ist es Liebe, jemand anderen endlos anzuschauen?  ist es Liebe, für jemand anderen das Beste zu wollen? ist es Liebe, jemanden berühren, küssen zu wollen?
Liebe. wir haben das aufgegeben, obwohl wir wissen und spüren, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. obwohl wir wissen, dass wir eigentlich nur neidisch sind, wenn wir über die ganzen Pärchen spotten. weil uns diese lieblose Einsamkeit nicht reicht. diese wilden, affairenartigen Küsse in dunklen Ecken, ohne jede Verantwortung, ohne jede Gefühlsregung. die Berührungen, Lippen, Hände, Zungen von Menschen, die wir an unser Herz nicht ranlassen, Menschen, deren Augenfarbe wir uns nicht mal gemerkt haben. oder vielleicht doch. aber mehr auch nicht. denn obwohl diese Distanz, dieses Neue, Unbekannte uns unglaublich reizt, in den Wahnsinn treibt, liegen wir hin und wieder abends allein im Bett und fühlen uns einsam, ungeliebt; und dann hätten wir gerne jemanden - jemanden, dem wir nicht egal sind, der sich um uns sorgt, für uns da ist, uns zuhört, uns begehrt auf diese besondere Art. 



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